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für das

Historische Museum Basel

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Schrank mit Allianzwappen des Liestaler Stadtschreibers Paul Spörlin und seiner Gattin Margareth Bischoff

Liestal BL, 1642 datiert

Hersteller: Peter Hoch (1599–um 1652)

Nussbaum auf Nadelholz furniert, mittig geteilte Brettbauweise, Sockel und Kranz separat; Eisen (Originalschloss und -schlüssel)
H. 253 cm, B. 199 cm, T. 73 cm

2016.347.

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Der mit geschnitzten Hermenpilastern, Schweifwerkfüllungen und Masken sowie bekrönenden Vasen geschmückte Schrank zeigt im Kranzgesims die Datierung 1642. Die oben auf den Türen erscheinenden Wappen der Familien Spörlin (gekreuzte Sporen; links) und Bischoff (Bischofsstab; rechts) weisen auf die Auftraggeber und Besitzer des Möbels hin: Der Liestaler Stadtschreiber Paul Spörlin (1600–1648) hatte 1625 Margaretha Bischoff (1606–1686) geheiratet. Sie liessen das Möbel von dem Liestaler Schreinermeister Peter Hoch fertigen, zu dem bereits persönliche Verbindungen bestanden. Zwei Jahre zuvor war Paul Spörlin als Pate bei der Taufe des vierten Sohnes des Schreiners 1640 zugegen. Peter Hoch erlernte das Handwerk bei seinem Vater, dem Tischmacher Hans Jacob I. Hoch (1575–1628), und ist mit mehreren bedeutenden, stilistisch verwandten Werken im Baselland vertreten, wie dem Häuptergestühl in Sissach und den Kanzeln in Sissach und Gelterkinden. Die Familie der Auftraggeber und Besitzer des Möbels ist in der Sammlung des HMB gut belegt. So haben sich zwei ebenfalls 1642 entstandene Bildnisse des Ehepaars erhalten sowie eine Abschrift der Familienchronik, die der zwölfjährige Johann Rudolf Spörlin 1762 anfertigte (Inv. 1911.71.–72., 1936.138.).

 

Es ist bemerkenswert, dass sämtliche Besitzer des Möbels seit seiner Herstellung bekannt sind. Zwei auf der Innenseite der linken Tür angebrachte handschriftliche Zettel führen diese lückenlos auf. Zunächst vererbte sich das Möbel innerhalb der Familie Spörlin, darunter auch an Maria Salome Spörlin (1698–1784), die Schwiegertochter des Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein. In der Folge stand der Schrank in verschiedenen Basler und basellandschaftlichen Privathäusern der Familien Merian, Burckhardt, Staehelin und Bischoff. (Sabine Söll-Tauchert)

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Hackbrett

Boltigen BE (Simmental), 1679

Hersteller: Bartlome Joneli (1640–1705)

Rotbuche, Nussholz (Korpus); Nadelholz (Decke, Boden); Eisen (Wirbel, Anhangstifte); Messing (Saiten)
L. 895 mm (vorne); L. 370 mm (hinten); B. 390 mm; H. 66 mm (an Seiten)

1898.252.

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Das "älteste Hackbrett der Schweiz", wie es in der Literatur genannt wird, trägt kurioserweise schon eine Inventarnummer aus dem Jahre 1898. Damals wurde es dem Museum als Depositum von Carl Im Obersteg übergeben, der das Erbstück seines Urgrossvaters im Jahre 1910 aber wieder zurückzog.

 

Umlaufend auf den Zargen findet sich eine sorgfältig geschnitzte Inschrift: "BARTLOME . IONELI . HAT . DIS . HACK . BRAT . GMACHT . IM . 1679 . IAHR . GOT . ALEIN . DIE . ER .". Jener Bartlome Joneli (1640–1705) ist in Boltigen im Simmental als Chorrichter, Kilchmeyer [Kirchenpfleger] und Siechenvogt belegt, im Totenrodel heisst es 1705 von ihm: "ein gar braver, steiffer man". Umso merkwürdiger ist, dass dieser Vertreter der strengen Obrigkeit sich 1679 ein Hackbrett baute oder bauen liess, denn das Musizieren wurde seinerzeit mit Argwohn betrachtet. So finden sich in Berner Chorgerichtsmanualen des 17. Jahrhunderts viele Dokumente zu strafbarem Hackbrettspiel ausserhalb der wenigen erlaubten Tanztermine. Honi soit qui mal y pense …

 

Das sehr professionell gebaute Hackbrett weist insgesamt 22 Saitenchöre auf; allerdings fehlen heute die für das Bespielen notwendigen Stege über dem bemalten Resonanzboden mit den vier Rosetten. Bislang konnte auch nicht entschieden werden, ob dieses Hackbrett mit Schlegeln gespielt oder mit den Fingern gezupft wurde – beide Techniken sind historisch belegt. Zur genaueren Erforschung wurden im Basler Universitätsspital CT-Scans angefertigt, die das kunstvoll konstruierte Innenleben zeigen. Als Nächstes ist eine Restaurierung und gegebenenfalls die Spielbarmachung des historisch sehr bedeutenden Instruments geplant –auch wenn zwischenzeitlich im Heimatmuseum in Davos ein auf das Jahr 1644 datiertes Instrument aufgetaucht ist ...

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Pokal des Basler Domkapitels

Augsburg, 1759 datiert

Goldschmied: Georg Ignatius Christoph Baur (1727–1790)

Silber, gegossen, getrieben, graviert, ziseliert und vergoldet; Email

2014.571.

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Der reich mit Rocaille-Ornament getriebene und gravierte Deckelpokal war eine Dankesgabe des Basler Domkapitels. Im Inneren des Deckels ist ein Emailmedaillon mit der Himmelskönigin Maria mit Kind und dem Wappen des Bistums Basel angebracht. Vor dem hellen Strahlenkranz erscheint die Inschrift "THUMST. BASEL 1759" (Domstift Basel 1759). Das Geschenk ist durch einen zugehörigen Brief aus demselben Jahre gut dokumentiert: Der bischöfliche Hofrat Johannes Anton Streicher bringt in dem 22. Juli 1759 datierten Schreiben, das dessen Siegel trägt, die Hochachtung der schenkenden Domherren gegenüber dem Kaufmann Samuel Koechlin zum Ausdruck.

 

Samuel Koechlin (1719–1776), der 1746 in Mulhouse die erste Indienne-Fabrik gegründet hatte und zu beachtlichem Besitz gelangt war, lieh dem Bistum Basel Geld zu niedrigen Zinsen. Es ist bemerkenswert, dass das Domkapitel diese Dankesgabe nicht bei einem hiesigen Goldschmied in Auftrag gab, waren doch etliche ausgezeichnete Goldschmiede in Basel tätig. Vielmehr ging der Auftrag an den kurfürstlichen Hofgoldschmied Georg Ignatius Baur (1727–1790) in Augsburg, der Werke im Stil des Rokoko und später des Klassizismus fertigte. Der in Biberach geborene Baur wurde 1750 Meister in Augsburg und schuf zahlreiche liturgische Goldschmiedewerke für die katholische Kirche.

 

Der verhältnismässig grosse Pokal ist von hervorragender handwerklicher Qualität und hat ein recht hohes Gewicht, was für einen beträchtlichen Wert des silbervergoldeten Prunkstückes spricht. Dank der Unterstützung des Vereins für das HMB und der Singenbergstiftung bereichert dieses Werk nun die Sammlung von Goldschmiedeobjekten im HMB, in der bis dato kein Pokal im Rokokostil vorhanden war. (SST)

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Wirkteppich mit den Szenen "Der ungetreue Marschalk" aus der "Geschichte der Königin von Frankreich"

Basel, um 1500

Wirkerei; Wolle, Leinen

2012.1.

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Marqueterie-Kommode

Liestal, um 1900

Hersteller: Oskar Bieder-Müller (1861–1960)

Satinholz, Ahorn, Rosenholz, Palisander und Veilchenholz, vergoldete Bronzen.

2013.357.

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Kabinettschreibtisch

Basel, um 1730

Hersteller: Johannes Tschudy-Meyer (1672–1736) (zugeschrieben)

Nadelholz (Blindholz), Nussbaum sowie brandschattierte Einlagen aus verschiedenen einheimischen und einzelnen exotischen Hölzern

2010.283.

> Weitere Informationen

Es ist dem Engagement des Vereins für das Historische Museum Basel zu verdanken, dass der Kabinettschreibtisch im Kunsthandel günstig erworben werden konnte. Unter den Neuerwerbungen des Berichtsjahres ist der Kauf ein besonderer Glücksfall, da bereits 2007 ein weitgehend identischer Kabinettschreibtisch als Geschenk von Frau Dr. med. Agnes Massini an das HMB gelangte (Inv. 2007.159.). Beide Möbel können dem Basler Ebenisten Johannes Tschudy zugeschrieben werden. Sie sind nun im Haus zum Kirschgarten en face aufgestellt. Ein drittes Parallelstück befindet sich im Holsteiner Hof (heute Verwaltungssitz des Kantonsspitals).

 

Eine stilisierte Grafenkrone über dem eingelegten, heute jedoch leeren Allianzwappen weist an allen erhaltenen Möbeln auf eine Fertigung für die Hofhaltung der Markgrafen von Baden-Durlach in Basel hin, die bis zum Tod des Markgrafen Karl Wilhelm 1736 von hoher Bedeutung war. Johannes Tschudy stand seit 1710 als Ebenist und Baumeister im Dienst des Markgrafen und war bereits 1701 in Basel als Schreiner zünftig zu Spinnwettern. Vergleicht man das neu erworbene Möbel mit dem Legat von 2007, so stimmen der konstruktive und der funktionale Aufbau, aber auch die Anlage der Marketerie bis hin zum zentralen Motiv der balzenden Papageien an der Aufsatztür bei leicht veränderten Massen im Wesentlichen überein. Allerdings weicht die Marketerie an dem neu erworbenen Kabinettschreibtisch in einzelnen Details wie etwa den Gravuren von seinen Pendants ab und ist etwas weniger reich ausgeführt. Anstelle von eingelegten Blumenblüten im Bandelwerk der Schubladen hat sich Johannes Tschudy an diesem Stück mit Kreisornamenten begnügt. Die geschweiften Beine sind wandseitig anders positioniert. Auch die Schlüsselschilder weichen ab, stimmen jedoch mit den Schlüsselschildern ihm zugeschriebener Kommoden überein. Die Sabots entsprechen dem Gegenstück im Holsteiner Hof. Anders als im 2007 erworbenen Möbel verbirgt sich hinter dem Sockelprofil des Aufsatzes eine breite, flache Schublade. Der Tisch ist als Schreibmöbel mit einer Auszugsplatte hinter dem zentralen Klappenfach der Tischzarge und mit Tintenzeug in der rechten Schublade ausgestattet.

 

Offensichtlich hatte der Markgraf Gefallen am ersten Entwurf seines Ebenisten gefunden und weitere Stücke in Auftrag gegeben. Welches der erhaltenen Möbel das älteste ist, lässt sich jedoch nicht beurteilen. Für die etwas sparsamere Ausführung könnte ein weniger repräsentativer Aufstellungsort entscheidend gewesen sein, vielleicht verlangte der leidenschaftliche Tulpenzüchter Karl Wilhelm aber auch für das Folgestück eine noch prachtvollere Blumenmarketerie. Die Möbel von Johannes Tschudy genossen in Basel während des Historismus so hohe Wertschätzung, dass in seinem Stil neobarocke Möbel hergestellt wurden. (WL)

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Kaffeekanne

Basel, um 1730

Goldschmied: Andreas Braun (1697–1787)

Silber, getrieben, gegossen, ziseliert und graviert; Holz

2009.721.

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Für das neue Luxusgetränk Kaffee wurde im 18. Jahrhundert, wie auch für den Tee und die heisse Schokolade, ein eigener Kannentypus entwickelt. Die bauchige Form mit langgestrecktem Hals und hoch ansetzendem Ausguss sollte verhindern, dass der Kaffeesatz mit ausgeschenkt wird. Unter die drei hohen Füsschen konnte ein Spiritusbrenner gestellt werden, um den Kaffee direkt in der Kanne kochen und ohne Wärmeverlust heiss servieren zu können.

 

Die Kaffeekanne des Basler Goldschmiedes Andreas Braun gehört zur Gruppe jener in Basel seit den 1730er Jahren beliebten birnenförmigen Kannen mit dem charakteristischen eingravierten Régence-Dekor. Die feinen Ornamentgravuren auf Kannen dieses Goldschmieds sind immer von höchstem Niveau. Auch wenn meist das gleiche Formvokabular verwendet wurde, hat doch jede Kanne ihren eigenen Dekor. Der originale, geschwärzte Holzgriff zeigt geschnitzte Akanthusblätter und am Ansatz kleine Blüten. Die eleganten, ausgerollten Füsschen kennen wir auch von anderen Kannen Andreas Brauns.

 

Der Ankauf dieser Kanne ist eine wichtige Ergänzung für die Sammlung, fehlte doch bisher eine ganz klassische birnförmige Kaffeekanne mit Régence-Gravuren. Die Eigenheiten der beiden anderen birnförmigen Kaffeekannen mit diesem Dekor in der Sammlung treten jetzt im Vergleich deutlicher hervor: die Kanne von Johann Heinrich Cappaun (Inv. 1924.71) hat einen orientalisierenden Ausguss und die Kanne von Johannes Fechter ruht anstelle der drei Füsschen auf einen Standring. Auch im Hinblick auf die beiden anderen Kannen Andreas Brauns ist die Neuerwerbung eine willkommene Ergänzung. Es wird jetzt viel deutlicher, wie abwechslungsreich allein die Kafeekannen dieses Goldschmiedes sind: eine weitere Kanne hat eine wellenförmig verlaufende Oberflächengestaltung (Inv. 1977.177) und eine dritte Kanne ist in orientalisierender Kalebassenform (Inv. 1963.52).
(C. Hörack)

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Silberplatte von Urs Graf mit zwei Szenen aus dem Leben des hl. Bernhard von Clairvaux

Solothurn, 1519

Goldschmied: Urs Graf (um 1485 - 1527/28)

Silber, geschmiedet, graviert, im 19. Jahrhundert versilbert

"Traum der Mutter Aleth" und "Der Knabe Bernhard träumt von der Geburt Christi"

Silber, geschmiedet, graviert, im 19. Jahrhundert versilbert

2009.710.

"Der hl. Bernhard von Clairvaux wird im Dom zu Speyer von dem Marienbild begrüsst"

2009.711.

> Weitere Informationen

Der Ankauf der beiden von dem Schweizer Renaissance-Künstler Urs Graf signierten Silberplatten zählt zu den bedeutendsten Erwerbungen der letzten Jahrzehnte. Sie gehören zu den wenigen Zeugnissen, die sich von Grafs Tätigkeit als Goldschmied erhalten haben und gehen auf einen prestigeträchtigen Auftrag zurück: Nachdem der für seinen unsteten Lebenswandel berüchtigte Künstler 1518 wegen einer schweren Gewalttat überstürzt aus seiner Wahlheimat Basel fliehen musste und in seiner Geburtsstadt Solothurn vermutlich in der väterlichen Goldschmiedewerkstatt tätig war, erhielt er 1519 vom Zisterzienserkloster St. Urban im Kanton Luzern den Auftrag, eine Reliquienbüste des hl. Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153) zu fertigen.

 

Für den Sockelschmuck der heute verschollenen Reliquienbüste gravierte er acht querrechteckige Silberplatten mit Szenen aus dem Leben des Heiligen, der als Abt und Kreuzzugsprediger massgeblich für die Ausbreitung des Zisterzienserordens in Europa gesorgt hatte. Die neu erworbenen Platten, die einst die Vorderseite des polygonalen Sockels links und rechts von der zentralen Platte schmückten, präsentieren wichtige Ereignisse aus seiner Vita (SST)

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Fingerring mit Microschnitzerei (in Originaletui)

wohl Brüssel, 1764

Paul Johann Hess

Elfenbein, Lapislazuligranulat (?) als Hintergrund, Glas, Gold (Ring); Fischhaut (Haifischleder), Karton, Samt, Metallschliesse (Futteral)

2006.370.

> Weitere Informationen

In virtuoser Miniaturschnitzerei ist vor blauem Grund eine kleine, ca. 2 cm hohe Szene in Elfenbein geschnitzt. Im Zentrum des Bildes steht auf einem runden Podest der geflügelte Liebesgott Eros, der ein rechts von ihm stehendes Paar bekränzt. Links sieht man eine Tempelfront, den Mittel- und Hintergrund füllen zierliche Bäume. Das Podest trägt die Buchstaben MH, und im unteren Abschnitt ist die Inschrift "MDCCLXIV 10. Dec:" zu lesen.

 

Der aus Privatbesitz erworbene Ring bezieht sich auf die Hochzeit des Basler Kupferstechers und Kunstverlegers Christian von Mechel und seiner ersten Gattin Elisabeth Haas. Ihre Eheschliessung fand am 10. Dezember 1764 in Basel statt, dem auf dem Ring vermerkten Datum, und auch die Buchstaben M und H weisen auf die beiden Eheleute. Der Ring ist nicht signiert, kann aber aufgrund stilistischer Verwandtschaft zu gesicherten Werken dem Künstler Paul Johann Hess zugewiesen werden, der in Brüssel und Wien lebte. Um 1764 waren Paul Johann Hess und sein Bruder Sebastian in Brüssel für den Hof des Prinzen Karl Alexander von Lothringen tätig; 1770 liessen sie sich in Wien nieder. Die Werke der beiden unterscheiden sich vor allem durch die Ausarbeitung der Baumzweige, die bei Paul Johann durch "Aufstechen" winziger Elfenbeinspäne sehr buschig wirken.

 

Eine weitere Spezialität des Künstlers war es, Monogramme und winzige Schriftzüge bei den Elfenbeinreliefs nicht wie üblich mit schwarzer Tusche zu schreiben, sondern bis auf den Untergrund in das harte Material einzuschneiden. Als Pigment für den blauen Hintergrund seiner Mikrobilder verwendete er fein zerriebenes Kobaltglas.

 

Die Jahre vor seiner Eheschliessung verbrachte Christian von Mechel in Paris. Möglicherweise traf er dort mit dem damals in Brüssel lebenden Paul Johann Hess zusammen oder er erteilte den Auftrag schriftlich oder über einen Vermittler, nachdem er Werke des Künstlers gesehen hatte.

 

Die Mikrobilder der Brüder Hess waren bereits zu Lebzeiten berühmt und von Sammlern und Kunstliebhabers sehr gesucht. Heute befinden sich Werke von Paul Johann Hess u. a. im Kunsthistorischen Museum in Wien, im British Museum in London, im Museum von Bristol, in der Eremitage in St. Petersburg sowie in Privatbesitz. (MR)

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Teekanne

Basel, 3. Viertel 18. Jh.

Goldschmied: Abel Handmann (1715–1788)

Silber; innen neu vergoldet und ausen neu versilbert

Kanne getrieben, Ausguss und Stotzen des Griffs gegossen

Griff aus geschwärztem Holz

2006.84.

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Vom Format wie auch vom Dekor her ist das kleine silberne Teekännchen aussergewöhnlich. Die nach unten gebauchte Form steht auf der nur wenig eingezogenen Bodenfläche. Symmetrisch ausladend sind zur einen Seite der gegossene Ausguss und zur andern der geschwärzte, tordiert geschnitzte Holzhenkel. Die diagonal geschwungenen Zierformen auf Bauch und Deckel der Kanne enden jeweils in herzförmigen Motiven. Dieser für basler Goldschmiede und auch in Abel Handmanns Werk ungewöhnliche Formenschatz hat seine Vorbilder in den Niederlanden, Frankreich und in Grossbrittanien.

 

Zum Beispiel in Werken der Ütrechter Goldschmiedefamilie van Vianen. Die 1652–1654 publizierten "Ornamentstiche nach ausgeführten Arbeiten und Entwürfen" von Adam van Vianen (um 1569–1627) durch seinen Sohn Christian (1627 übernimmt er die Werkstatt des Vaters, + nach 1660) wurden im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts zum beliebten Vorbild für Londoner Goldschmiede. Der knetbare Plastizität suggerierende Dekor der kleinen Teekanne hat aber auch Ähnlichkeit mit Entwurfstichen von Juste Aurèle Meissonnier (geboren 1693/5? in Turin wohl von französischen Eltern - gestorben 1750 Paris), der 1724 zum "orfèvre du roi" und 1726 dessinateur de la chambre et du cabinet du roi" ernannt wurde. Abel Handmann, der durchaus konventionell arbeitete hat in diesem Werk wohl auf Wunsch des Auftraggebers den dynamischen Rocaillestil der erwähnten Vorbilder in gemässigter Art übernommen. (MCB)

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Sechs Tassen und Unterschalen und drei Unterschalen mit Blumendekor

Strassburg, um 1765/70

Manufaktur Joseph Hannong, Strassburg

Fayence, bemalt in Aufglasurtechnik

2002.269.1.-15.

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Hochwertiges Tafelgeschirr bezog man im Basel des 18. Jahrhunderts stets von auswärts, das Steingut meist aus England, das Porzellan aus Zürich oder den schon länger produzierenden deutschen Manufakturen und Fayence sehr häufig aus Strassburg. Die Strassburger Manufaktur, im Besitz der Familie Hannong, fertigte Fayencegeschirr höchster Feinheit, geschmückt mit sehr qualitätvollem Dekor. Ab ca. 1740 handelte es sich dabei fast ausschliesslich um Blumenmalerei, und die neuerworbenen Teile eines Kaffeeservices legen deutlich Zeugnis ab von ihrer hohen Qualität. In der Feinheit der Ausführung und der gekonnten Komposition stehen sie den Malereien auf Porzellan in nichts nach.

 

Strassburger Kaffeeservices sind sehr selten, da sich die Manufaktur auf die Herstellung aufwändiger Tafelservices konzentriert hatte. Dementsprechend sind prachtvolle Terrinen, grosse Teller und Platten in der Sammlung des Museums in beeindruckender Anzahl und Vielfalt vorhanden. Die neuerworbenen, zierlichen Tassen und Tellerchen - ein Geschenk des Vereins für das Historische Museum Basel - kommt grosse Bedeutung zu, da sie die Sammlung um sehr seltene und schöne Beispiele für Strassburger Kaffeeservices bereichern. (MR)

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Ansicht der Kanzel im Basler Münster

Herstellungsort unbekannt, vor 1857

Papier, Tusche

2001.313.

> Weitere Informationen

1486 wurde im Basler Münster für den Prediger Johannes Heynlin eine Kanzel geschaffen. Das überaus reich ausgestattete Kirchenmöbel forderte mehrfach die Basler Künstler heraus, ihre zeichnerischen und perspektivischen Fertigkeiten zu beweisen, u.a. wurde es von Daniel Büchel und von Johann Jakob Neustück wiedergegeben. Im Unterschied zu diesen Darstellungen erfasste der unbekannte Künstler der neuerworbenen Tuschzeichnung souverän auch die räumliche Situation im Münster. Die Kanzel steht vor dem 1. südlichen Mittelschiffpfeiler, seitlich öffnen sich in die Tiefe die beiden Seitenschiffgewölbe. Die detailgetreue und minutiöse Wiedergabe der Kanzel mit dem zierlichen Fischblasen- Masswerks sowie des 1597 * angebrachten Renaissance-Schalldeckels, der 1857 ersetzt wurde, erlaubt, das Blatt in die Jahre unmittelbar vorher zu datieren. (BM)

 

* von Hans Walther, einem der drei Meister die das Häuptergestühl 1598 hergestellt haben; nur er hat es zweimal mit seinen Initialen und Meisterzeichen signiert. Die anderen zwei - Franz Pergo und Conrad Giger - sind nur dank der Rechnung, die alle drei Namen erwähnt, bekannt.

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Ansicht der Elisabethenstrasse mit dem Haus zum Kirschgarten

Basel, vor 1860

Künstler: Johann Jakob Neustück (1799 – ca. 1867)

Papier, Tusche, laviert (über Bleistift)

2001.312.

> Weitere Informationen

1951 wurde das Haus zum Kirschgarten als Museum der Baslerischen Wohnkultur im 18. Jahrhundert eröffnet. Anlässlich des Jubiläums schenkte der Verein für das Historische Museum dem HMB dieseTuschzeichnung mit einer Ansicht der Elisabethenstrasse. Ihre linke Strassenseite nimmt fast vollständig die repräsentative, neunachsige Fassade des frühklassizistischen Hauses zum Kirschgarten ein. Die kleinteilige Bebauung der rechten Strassenseite mit einer Mauer, einem Schopf und diversen niedrigen Häusern im Hintergrund hält das typische Erscheinungsbild einer Vorstadt fest. Erst nach der Korrektion 1859/1860 wurde die Strasse zum belebten Verbindungsstrang zwischen Centralbahnhof und Innerstadt. Das Blatt muss unmittelbar davor entstanden sein, weshalb der Elisabethenbrunnen (1861–1863) noch nicht darauf abgebildet ist.

 

Das Haus zum Kirschgarten stand als Solitär in dieser kleinstädtischen Umgebung. Es hatte noch kein vis à vis. Dieser Umstand mag übrigens den Erbauer des Hauses, den Seidenbandfabrikanten Johann Rudolf Burckhardt 1774 mit dazu bewogen haben, sein ambitiöses Bauvorhaben hier zu verwirklichen. Jenseits der Mauer im Vordergrund rechts erstreckte sich über die abfallende Birsighalde damals ein Rebgarten. (BM)

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Bildnis des Samuel Heusler-Burckhardt (1713–1770)

Basel, 1760

Künstler: Johann Nikolaus Grooth 1723–1797)

Oelmalerei auf Leinwand

1992.149

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Ofenmodell

Modell für ein Cheminée mit Turmaufsatz

Strassburg, Mitte 18. Jh.

1991.203.

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Teekanne

Basel, um 1720

Goldschmied: Hans Jakob d'Annone (1684–1744)

Silber, getrieben, gegossen, ziseliert; Holz

1983.925.

> Weitere Informationen

Das Aufkommen der neuen Luxusgetränke Tee, Kaffee und Schokolade bescherte den Goldschmieden Europas im 18. Jahrhundert zahlreiche neue Auftragsfelder. Für jedes Getränk wurde ein eigener Kannentyp entwickelt, dazu kamen für den ebenfalls noch sehr kostbaren Zucker eigene Dosen, Streulöffel oder Zangen, spezielle Teedosen, Milch- und Rahmkännchen sowie Heisswasserkocher und natürlich feine aus China importierte Porzellantassen.

 

Die Teekannen sind in der Regel eher flach und sehr bauchig. Ihr Ausguss setzt fast am Boden an, um möglichst aromatischen Tee zu erhalten. Ein Gitter im Innern oder ein Sieb am Ausguss halten beim Ausschenken die Teeblätter zurück. Die Teekanne des Basler Goldschmiedes d'Annone zeigt, dass die Mode der neuen Heissgetränke auch hier schon um 1720 ihren Einzug hielt. Die Kanne ist die früheste uns bekannte Basler Teekanne und eine der ältesten der Schweiz. Die flache, fast konische Form mit dem fein gerippten Bauch ist für Basler Kannen ungewöhnlich. Sie ist ein Hinweis auf die frühe Entstehungszeit dieser Kanne, noch bevor der für Basler Silber so charakteristische Régence-Dekor hier in Mode kam. Der kantige Ausguss mit Akanthusdekor und dem plastisch ausgeformten Doggenkopf zeigt das hohe handwerkliche Niveau dieses Basler Goldschmieds.

 

Die aus altem Basler Familienbesitz stammende Teekanne war bereits seit 1983 im Haus zum Kirschgarten als Depositum einer Privatsammlung ausgestellt. Der Ankauf sichert den dauerhaften Verbleib dieser für die Geschichte des Basler Kunsthandwerks und der Basler Tafelkultur wichtigen Kanne im Historischen Museum.
(C. Hörack)

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Uhr in Urnenform

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

1983.221.

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Biedermeier-Reisekalesche

Herstellungsort unbekannt, um 1810

1982.88.

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Papiersoldaten

Herstellungsort unbekannt, 19. Jh.

Darstellung: Basler Freicompanie

1969.2355.

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Deckelbecher

Herstellungsort unbekannt, 17. Jh.

mit Allianzwappen Mitz-Bauhin

1967.736.

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Zwei Kerzenstöcke

Basel

Silber

1964.35.1.-2.

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Fussbecher

Herstellungsort unbekannt, 16. Jh.

Meistermarke: Andreas Koch

1962.62

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Bronzemedaille

auf Herzogin Jakobea von Bayern, 1534

Deutschland, Nürnberg, 16. Jh.

Medailleur: Matthes Gebel (um 1500–1574)

Bronze, gegossen

1959.21.

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Zuckerstreuer

Meistermarke: Peter Falkeisen

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

1959.20.

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Pendule

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

Ohne Sockel, mit Viertelstunden und Stundenschlag

1958.40.

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5 vergoldete Agraffen

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

1957.11.1.-5.

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Silbergürtel (Brautgürtel)

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

1957.10

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Nautilus-Pokal

Darstellung: Käuzchen

Hersteller: Basler Goldschmied Sebastian Fechter I

Herstellungsort unbekannt, 2. Hälfte 17. Jh.

1955.15

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Achtfache Halskette mit Schliesse

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

Goldschmied: Hans Georg Lindenmeyer (1712–1767)

1950.90.

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Miniaturbildnis der Maria Elisabeth König

Basel, 1807 datiert

Künstler: Marquard Fidel Domenikus Wocher (1760–1830)

Gouachemalerei auf Elfenbein im silber-vergoldetem Rähmchen als Dose.

1924.50.

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Büttenmann

Herstellungsort unbekannt, 17. Jh.

B. Paxmann. 1618

1920.10.

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Hostienmonstranz im Barockstil

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

Silber, vergoldet

1909.250.

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Dose

Herstellungsort unbekannt, 17. Jh.

Silber, getriebener Deckel und Wandung

1908.232.

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Madonna mit dem Kind 3/4 Skulptur

Herstellungsort unbekannt, 15. Jh.

Lindenholz

1908.34.

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Freundschaftsbecher

Herstellungsort unbekannt, 18. Jh.

Silber, mit dekorativ verteilten Wappen

1908.19.

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Entwürfe zu Scheibenrissen

Basel, 1849 datiert

Künstler: Hieronymus Hess (1799–1850)

Feder über Bleistift, aquarelliert

2013.890.

Scheibenriss «Rudolf Merian starb den Heldentod bey St. Jacob 1444»

2013.890.

Scheibenriss «Ehrhard Merian erobert eine Fahne bei Novara»

2013.891.

> Weitere Informationen

Der Basler Eduard Merian beauftragte Hieronymus Hess mit den Entwürfen von vier Glasgemälden, mit denen er sein «neues Schloss» Teufen am Irchel im Kanton Zürich ausstatten wollte. Von den vier Kabinettscheiben, die jeweils einen namhaften Vertreter der Familie Merian bei einer historischen Tat zeigen, haben sich zwei im Berner Atelier Stantz & Müller hergestellte Scheiben im HMB erhalten (Inv. 1981.29.–30.). Erfreulicherweise konnten nun die beiden zugehörigen Entwurfszeichnungen erworben werden.

 

Die grossformatigen Aquarelle erachtete Hess als seine gelungensten Arbeiten, wie aus einem Brief an seinen Freund Friedrich Salathé hervorgeht. Dramatisch hat er auf dem ersten Scheibenriss den legendären Heldentod des Rudolf Merian in der Schlacht bei St. Jakob an der Birs 1444 in Szene gesetzt. Der Basler ist im Schlachtgetümmel tödlich getroffen mit seinem Wappenschild zu Boden gesunken, unter ihm liegt ein Feind mit schmerzverzerrtem Gesicht. Im Hintergrund brennt das Siechenhaus der Kirche von St. Jakob und am Horizont sind die von der Schlacht verschont gebliebene Stadt Basel und der Galgenhügel zu sehen.

 

Der zweite Glasgemäldeentwurf zeigt den 18-jährigen Erhard Merian (1495–1560), wie er bei der Schlacht von Novara im Herzogtum Mailand 1513 im feindlichen Lager die französische Fahne erobert, um sie nach Basel zu bringen. (SST)

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Hochrelief: Grablegung

Herstellungsort unbekannt, 16. Jh.

Lindenholz

1907.1998

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Fränkisches Beil

Herstellungsort unbekannt

1906.1198.

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Weibelschild mit Wappen

Greyerz um 1500

Silber, teilweise vergoldet

1895.302.